Vom Rohstoff bis zum Müll – Der Relikurs 10 verfolgt die Reise eines Smartphones

Habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, was mit all den elektrischen Geräten, die wir im Alltag benutzen, passiert, sobald sie kaputt sind oder einfach durch ein neues ersetzt werden? Außerdem: Was eigentlich gebraucht wird, damit unser Smartphone so funktioniert wie gewünscht? Was es mit Lieferketten auf sich hat und was in aller Gottes Namen in so einem Handy überhaupt drinsteckt?

Der Beantwortung dieser Fragen ist der Religionskurs der Klassenstufe 10 am Mittwoch, den 25.02.2026, im Rahmen des globalen Schulkinos auf den Grund gegangen. Dafür fanden sich alle Schülerinnen und Schüler in der Zeit vom 2. bis zum 3. Block im Raum A419 ein. Pünktlich mit dem Klingelzeichen startete das Projekt mit der Begrüßung durch die beiden externen Referenten Assion und Sascha vom Verein „Magletan Eine Welt e.V.“, der unter dem Dachverband der Weltläden betrieben wird. Der Verein betreibt in Magdeburg und anderen größeren Städten in Deutschland sogenannte „Weltläden“. In diesen ehrenamtlich betriebenen Shops könnt ihr ausschließlich fair gehandelte Produkte kaufen. Sollte euch das Ganze interessieren, dann besucht den Laden in der Schellingstraße 3–4, um faire Produkte zu unterstützen.

Danach ging der Workshop in eine kleine Vorstellungsrunde über, bei der jede und jeder schätzen sollte, wie viele elektrische Geräte er oder sie zu Hause hat. Die Schätzungen reichten von 15 bis 70 Geräten. Ihr könnt ja gerne mal selbst in den Kommentaren die Anzahl eurer Geräte schätzen – wir sind gespannt. Bevor es nun ans Smartphone gehen konnte, bedurfte es noch einer kleinen Begriffserläuterung. Die Schülerinnen und Schüler sollten überlegen, was man unter den Begriffen „Globaler Norden“ und „Globaler Süden“ sowie „Nachhaltigkeit“ versteht. Der „Globale Norden“ umfasst die wirtschaftlich hochentwickelten und privilegierten Länder, die zumeist in Europa, Amerika, Australien und Neuseeland zu finden sind. Der „Globale Süden“ stellt dabei das Gegenteil dar und beinhaltet meist Länder in Afrika und Südamerika. Bei Nachhaltigkeit denken viele zuerst an die Natur und den Umweltschutz, aber die Schülerinnen und Schüler lernten, dass neben der ökologischen (Naturebene) auch die soziale (gesellschaftliche) und die ökonomische (wirtschaftliche) Ebene dazuzählen. Nach diesen ersten Erkenntnissen stellte sich die Frage: Woraus besteht nun eigentlich ein Smartphone? Dabei kam heraus, dass es zu 25 % aus seltenen Erden und Metallen, zu 56 % aus Kunststoffen und zu 16 % aus Glas und Keramik besteht. Daran schloss sich direkt die nächste zu klärende Frage an, nämlich: Was sind seltene Erden überhaupt und wofür braucht man sie?

Seltene Erden sind eigentlich Metalle, die meist als Oxide, also nicht in reiner Form, in der Erdkruste vorkommen. Das Wort „selten“ ist ein wenig irreführend, da sie fast überall in der Erdkruste vorhanden sind, ihr Abbau jedoch nur an wenigen Stellen wirtschaftlich sinnvoll ist. Zu den seltenen Erden zählen beispielsweise Yttrium, das im Speicher verbaut wird, oder Neodym für die Magnete im Handy. Danach besprachen die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer anhand der Beispiele Silizium, Aluminium, Eisen, Kupfer und Gold deren Funktionen im Handy sowie ihr Vorkommen auf der Erde. Diese zählen übrigens nicht zu den seltenen Erden, sondern sind ganz normale Metalle. Die Stoffe stammen hauptsächlich aus Ländern wie China, Brasilien oder Australien und werden für verschiedenste Bestandteile im Handy genutzt. Aluminium findet sich zum Beispiel im Display wieder und Gold in den Kontaktflächen.

Bevor es ans Filmschauen ging, besprachen die Schülerinnen und Schüler, was unter Lieferketten zu verstehen ist und wie eine solche aussehen kann. Nach der Vorbereitung durften es sich dann alle gemütlich machen und den Film „Welcome to Sodom“ anschauen.

Der Film spielt auf der größten illegalen Müllkippe für Elektroschrott weltweit. Die Müllkippe, eigentlich „Agbogbloshie“ genannt, befindet sich in der Nähe der Stadt Accra in Ghana. Einst war das Gebiet ein wunderschönes, unberührtes Sumpfgebiet, doch davon ist nichts mehr übrig. Heute stapeln sich dort Müllberge, und zwischen all dem Unrat leben ca. 6.000 Menschen, die unter extremen Bedingungen versuchen, sich durch die Gewinnung von Kupfer oder Eisen aus dem Schrott etwas Geld zu verdienen. Den Namen „Sodom“ verdankt der Ort übrigens den giftigen, pechschwarzen Rauchwolken, die Tag für Tag durch das Verbrennen von Kupferkabeln entstehen und die Luft verpesten. Der rund 90-minütige Film lieferte einen eindrücklichen Einblick in eine uns vollkommen fremde Welt, mit der wir aber dennoch durch unser unbedachtes Handeln im Umgang mit elektrischen Geräten eng verbunden sind. Außerdem gibt der Film Einblicke in das Leben der dort lebenden Menschen und versucht, ihnen Gehör zu schenken, indem mit ihnen statt über sie gesprochen wird. So konnten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Personen auseinandersetzen und erleben, wie man selbst an einem der giftigsten Orte der Welt ein weitgehend fröhliches Leben führen kann. Die Müllkippe in der Nähe der ghanaischen Hauptstadt nimmt jährlich rund 250.000 Tonnen ausrangierter Geräte wie Computer, Smartphones und Drucker auf – das entspricht etwa dem Gewicht von 1.250 Blauwalen, den größten Tieren der Erde. Der Film von Florian Weigensamer und Christian Krönes erschien 2018 in Deutschland und kann beispielsweise auf Prime Video oder YouTube als Kauf- oder Leihtitel angesehen werden.

Nachdem der Film vorbei war, beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler noch mit Lösungsansätzen, wie man das Leben der Menschen vor Ort verbessern und weitere Mülllieferungen verhindern könnte. Außerdem trugen sie ihre Eindrücke zusammen. Um 13:15 Uhr war der Workshop beendet, und alle gingen mit neuen Eindrücken nach Hause. Ermöglicht wurde die Teilnahme an diesem Projekt durch Herrn Trebesius, der sich auch privat für fairen Handel und globale Gerechtigkeit interessiert. Aufgrund dieser Interessen wusste er, dass dieser Verein verschiedene Bildungsangebote anbietet. Die ersten Kontakte konnten bereits im Jahr 2023 geknüpft werden, als Herr Trebesius gemeinsam mit Frau Ritter eine Projektwoche zu diesem Thema gestaltete. Dadurch wurden die Kontakte weiter ausgebaut, und es werden regelmäßig Referenten in die Schule eingeladen, sodass auch in den kommenden Jahren verschiedene Themen angeboten werden können. Neben dem Projekt in Klasse 10 konnten auch Projekte für Klasse 5 zum Thema Weihnachtstraditionen in Togo sowie für Klasse 8 zum Thema „Migration und Flucht“ umgesetzt werden.

Das Projekt sollte den Schülerinnen und Schülern zur Erweiterung ihres Horizonts dienen und eine wertvolle Ergänzung zu den zuvor im Unterricht behandelten Themen wie ethischen Fragen und Konzepten darstellen. Es beleuchtet auch die Frage: „Was heißt gutes Handeln und wie handle ich menschlich?“, die alle Menschen betrifft, um ein friedliches und gerechtes Zusammenleben weltweit zu ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler fanden den Film sehr eindrücklich, da er die dort lebenden Menschen nicht nur als Opfer, sondern auch als Menschen darstellt, die lachen, tanzen, singen und Freude empfinden. Zudem wurde die Realität ohne große Beschönigung gezeigt, was besonders nachhaltig in Erinnerung blieb. Einige waren jedoch enttäuscht, da am Ende leider nicht mehr genügend Zeit für eine ausführliche Abschlussbesprechung blieb. Zusammengefasst stellten die Stunden jedoch eine willkommene Abwechslung dar und zeigten das zuvor im Unterricht behandelte Thema noch einmal anschaulich in der Realität.

Im Namen von Herrn Trebesius möchten wir uns außerdem bei der Schulleitung und dem Schulverein bedanken, die durch ihre finanzielle Unterstützung solche Projekte erst möglich machen. Dadurch können diese Angebote für alle Schülerinnen und Schüler kostenfrei durchgeführt werden. Sollten Lehrerinnen und Lehrer Interesse an der Durchführung ähnlicher Projekte haben, können sie sich gerne an Herrn Trebesius wenden, der die entsprechenden Kontaktdaten weitergibt.

Text: Alina Sofia Lehmann

Bild: Herr Trebesius

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