In Deutschland sind die meisten Geschäfte sonntags geschlossen, was auf die christliche Tradition
zurückzuführen ist, da der Sonntag hier als Ruhetag gilt. Das Christentum gehört zu den drei abrahamitischen Religionen, zu denen außerdem der Islam und das Judentum zählen. Auch das Judentum hat einen heiligen Wochentag. Anders als im Christentum beginnt dieser am Freitagabend gegen 18 Uhr und dauert 24 Stunden.Um diesen Feiertag besser zu verstehen, haben zwei Religionskurse und ein Ethikkurs Ende März an dem Projekt »Israel heute – Jüdisches Leben und interkulturelle Verständigung« der Konrad-AdenauerStiftung teilgenommen. Geleitet wurde das Online-Seminar von Arie Rosen, der bis zu seinem 16. Lebensjahr in Deutschland lebte und anschließend mit seiner Mutter nach Jerusalem zog, sowie von Yedidia Toledano, der die Videokonferenz musikalisch auf der Gitarre begleitete. Die beiden waren live aus Israel zugeschaltet, um den Dialog zu fördern und Vorurteile abzubauen. Das etwa 90-minütige Projekt war wie folgt gegliedert: Begrüßung und Einführung in das Seminar, ein Vortrag zum Thema „Jüdisches Leben und interkulturelle Verständigung“ sowie ein abschließendes offenes Gespräch.Ein wichtiger Bestandteil des Judentums ist die heilige Schrift, die Thora. Sie darf nur von einem speziell ausgebildeten Thoraschreiber, auch Sofer genannt, geschrieben werden und darf zudem nicht mit den Fingern berührt werden. Wird sie beschädigt und muss ersetzt werden, besagt die Tradition, dass sie begraben werden muss. Auch am Schabbat spielt die heilige Schrift eine wichtige Rolle, da sie nicht nur die wichtigsten Gebote beinhaltet, sondern auch beschreibt, wie dieser heilige Tag begangen werden soll, und entsprechende Regeln vorgibt. Dazu gehört unter anderem, dass man nicht arbeiten darf und auch keine Arbeit verrichtet werden darf. Deshalb dürfen beispielsweise keine Lichtschalter betätigt werden.Die religiösen Gesetze lassen sich jedoch erst vollständig verstehen, wenn man sich mit dem Talmud beschäftigt, da die Thora – ähnlich wie die Bibel – Raum für unterschiedliche Auslegungen bietet. Vor einiger Zeit wurde Arie Rosen von einem deutschen Fernsehteam am Schabbat interviewt. Da das Filmen am Schabbat allerdings gegen die religiösen Vorschriften verstoßen würde, wurde er bereits am Mittwoch gefilmt. Dieser sehr informative Kurzfilm verdeutlichte die bereits im Vorfeld besprochenen Riten und Speisen. Dazu gehört beispielsweise Tscholent, ein herzhafter Eintopf aus Bohnen, Kartoffeln und Fleisch, der bereits am Freitag gekocht und über Nacht auf einer Warmhalteplatte heiß gehalten wird.Besonders wichtig ist im Judentum auch der Gesang, weshalb das Online-Seminar von viel Musik begleitet wurde:
Insgesamt hat uns das Projekt sehr gefallen und unseren Horizont erweitert. An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal herzlich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung bedanken, die dieses Angebot in Kooperation mit den Lea-Fleischmann-Bildungsprojekten ermöglicht hat.
